Bei Spreeblick kann man grade die Meinung des Spreeblickers zur Kampagne “Du bist Deutschland” lesen. Zusammengefasst: Er ist nicht begeistert. Aber was mir dabei so einfällt, worüber ich schon lange mal lästern wollte: Leute, die meinen, es sei toll, Alles und Jeden auszunutzen.
Ich zahle für Leistung. In vielerlei Hinsicht. Ich kaufe CDs, ich kaufe DVDs, ich kaufe Software. Ich gehe in der Uni in die Cafeteria und hole mir da meinen Kaffee obwohl ich weiß, dass nebenan eine Kaffeekanne rumsteht, aus der ich mich bedienen könnte (was ich dann ab und zu auch tue, aber ich will es halt nicht übertreiben). Ich bezahle sogar meine GEZ-Gebühren. Und ich bin damit offensichtlich out.
Da gibt es Leute, deren erster Gedanke, wenn sie irgendwas irgendwo rumstehen/rumliegen sehen ist es, wieviel sie davon jetzt klauen. Die Fragen mich, wenn ich grade mit einem Paket Papier an der Kasse eines Ladens stehe, warum ich mir Papier denn kaufe, das kann man doch in der Uni mitgehen lassen (Die Admins bei uns sind so nett und legen neben jeden der Studentendrucker ein paar Pakete, damit die Studenten nachfüllen können, wenn das Papier leer ist). Oder Leute, die raten anderen Leuten, denen es finanziell keineswegs schlecht geht, einfach mal Wohngeld zu beantragen, vielleicht wird es ja was.
Ich frage mich, ob diese Leute einfach geistig so minderbemittelt sind, dass sie nicht verstehen, dass sie damit allen schaden oder ob sie einfach solche Arschlöcher sind, das es ihnen egal ist. Durch solche Deppen werden wir irgendwann in der Uni zu den Admins rennen müssen und für jedes Blatt einzeln unterschreiben müssen, durch solche Deppen fehlt es meiner Uni am Geld für neue Rechner oder Beamer oder was weiß ich was, weil das für Papier und neue Mäuse (die verschwinden nämlich auch regelmäßig) ausgegeben werden musste, durch solche Deppen werden unsere Sozialsysteme abgeschafft. Bitte versteht den letzten Punkt nicht falsch: Ich meine hier explizit nicht Leute, die wirklich Wohngeld oder andere Leistungen benötigen, um über die Runden zu kommen. Ich meine hier Leute, die es einfach mal so beantragen, auch wenn sie es nicht brauchen.
Bin ich wirklich so altmodisch oder komisch? Ist es wirklich einfach “out”, andere nicht ausnutzen zu wollen? Ich nehme gerne Angebote an. Ich trinke auch mal den einen oder anderen Kaffee auf die Kosten des Profs, bei dem ich arbeite (Natürlich erlaubterweise, er kommt aus einer Kanne mit einem Aufkleber “Studenten”). Würde ich es brauchen hätte ich auch kein Problem damit, Bafög zu beantragen.
Und um mal auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Diese Abzockermentalität ist in meinem Umfeld leider ziemlich weit verbreitet. Und genau diese Mentalität ist es, die weg muss, wenn irgendwas in diesem Land wieder anständig laufen soll… Das sehe ich genau andersherum wie der Spreeblicker, der sagt:
Ihr, die ihr mit “Slogans” wie Geiz ist geil oder Lass dich nicht verarschen dafür sorgt, dass Raffgier, Egoismus und Übervorteilung anderer die tonangebenden deutschen Tugenden geworden sind.
Ich sehe in dieser Werbung nur die logische Folge dieser Mentalität. Wenn die Leute geiz wollen, wird die Werbung ihnen dieses bieten. Wenn die Leute nicht mehr bereit sind, für Qualität auch zu zahlen, warum sollte die Wirtschaft ihnen Qualität bieten? Sowohl beim Staat als auch bei der Wirtschaft gilt: Wir bekommen das, was wir verdienen. Bei der Wirtschaft etwas weniger, aber beim Staat dafür um so mehr.