Wir haben, was wir verdienen

Ich hatte schon vor einiger Zeit, damals allerdings eher nebenbei, geschrieben, dass ich der Meinung bin, dass wir genau das bekommen bzw. haben, was wir verdienen. Das wollte ich schon länger mal ein wenig ausführen.

In der Politik ist dies denke ich sowieso logisch. Sehen wir uns doch an, was passiert, wenn eine Partei etwas “schreckliches” vorstellt. Die Medien berichten von einem “Aufstand”, aber passiert wirklich was? Nein. Es gibt ein paar Demonstrationen, da kommen 500 Leute hin, aber die Mehrheit interessiert es nicht wirklich. Insbesondere gibt es kaum Strafen bei der nächsten Wahl. Vielfach kommen dann die Argumente “Es gibt doch nichts besseres” oder so - warum? Zum Einen denke ich, dass es eigentlich für jede Meinung eh schon eine Partei gibt, zum Anderen steht es jedem frei, selbst eine Partei zu gründen. Sehr hoch sind die Anforderungen eigentlich nicht. Aber das würde ja Aufwand bedeuten, deswegen ist das unbeliebt.

Vielfach sind die Bürger auch einfach überzeugt, dass das, was “die da oben” machen, einfach richtig ist. Wer will denn noch wirklichen Datenschutz? In den Augen eines großen Teils der Bevölkerung ist das doch nur Täterschutz und aufrechte Bürger haben nichts zu verbergen. Wer will denn noch wirklich Arbeitnehmerrechte? Heute meinen doch viele, dass diese nur Jobs kosten und deswegen einfach nicht zeitgemäß sind. Solange das viele so sehen, sehe ich keinen Grund für die großen Parteien, ihre Politik zu ändern.

Dazu kommt noch: Die SPD macht etwas, das Volk ist “empört” - und was passiert? Die CDU gewinnt Stimmen (real vielleicht nicht, aber prozentual). Was hätte die CDU anders gemacht? Einiges - sie hätten alles noch extremer durchgezogen. Hier ist das Problem, dass die ehemaligen SPDler sich abwenden und gar nicht mehr wählen, was natürlich ihren Interessen eigentlich völlig abträglich ist, da sie so die CDU unterstützten. Wieder gilt: Das Verhalten der Bevölkerung trägt nicht dazu bei, der gemachten Politik entgegenzutreten.

In der Wirtschaft sehe ich auch ähnliche Fälle. Denken wir an einige Beispiele von Unternehmen, die “massiven Gegenwind” aus der Bevölkerung bekommen haben und beachten wir dabei, was dabei geschah.

Erstes Beispiel: Vodafone. Vor einiger Zeit ist ihnen ein Trick aufgefallen, wie sie sehr viel Steuern sparen konnten. Es gab großen Ärger - aber haben sie Kunden verloren? Nein, nicht relevant. Sie sind immernoch der größte Anbieter. Und jetzt fragen wir uns: Warum sollten sie anders handeln?

Näher in der Gegenwart: Die Deutsche Bank. Sie gibt einen stark gewachsenen Gewinn bekannt und gibt gleich danach einen Stellenabbau um einige tausend Stellen bekannt. Großer Ärger. Aber hatte es Konsequenzen? Konsequent wäre für mich gewesen: Am nächsten Tag zu seinem Kundenberater gehen, alle Verträge kündigen und zwar unter expliziter Nennung des Grundes. Wäre das in relevanten Zahlen geschehen hätte die Bank sich das sicher überlegt mit dem Stellenabbau. Denn die Ersparnisse bringen ihnen nichts, wenn die Kunden wegrennen. Aber ist sowas passiert? Nein. Und wieder: Na wieso sollte die Deutsche Bank denn jetzt anders handeln?

Generell: Was machen große Konzerne im Moment? Sie richten sich nach den Shareholdern. Quasi ausschließlich. Das kann man gut finden oder auch schlecht. Es gibt sicher für beide Seiten Argumente. Aber überlegen wir uns doch, wie es im Moment aussieht: Die Shareholder wollen doch, dass die Kurse steigen. Und Aktienbesitz ist im Trend. Jeder, der ein wenig Geld übrig habt, kauft sich Aktien. Aktienhandel wird schon für Schüler attraktiv gemacht, dort gibt es die Börsenspiele. Fonds sind ebenfalls sehr populär.

Und jetzt kommen die Firmen und richten sich nach den Interessen der Shareholder. Würde “die Öffentlichkeit” dies nicht gut und richtig finden: Warum machen sie das den Firmen nicht klar? Wenn mir eine Firma nicht gefällt, so halte ich mich von dieser Firma fern. Natürlich juckt eine Firma meine Enthaltsamkeit, was Produkte dieser Firma angeht, nicht wirklich. Ein einzelner Konsument, noch dazu ein Student, hat nicht viel Macht. Aber bin ich denn wirklich alleine? Nein. Den Medien zu Folge z. B. bei den obigen nicht. Nächstes Beispiel: Lidl. Das Geschäftsgebahren dieser Firma ist das Letzte. Also kaufe ich dort nicht ein. Aber ich bin damit allein. Viele Leute sagen, das Gebahren störe sie nicht. Na wieso sollte Lidl es denn dann ändern?! Sie fahren doch gut damit. Und nur das Ergebnis interessiert doch einen Konzern. Also: Die Shareholdervalue ist entweder von einem Großteil der Bevölkerung als ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Ziel eines Unternehmens, anerkannt, oder die, die es anders sehen, stört es nicht weit genug, als dass sie Konsequenzen ziehen würden. Und daraus folgt für mich meine Aussage: Wir haben sowohl in der Wirtschaft als auch in der Poltik genau das, was wir verdienen.

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