Spaß mit der Bahn
Eigentlich fahre ich recht gerne Bahn. Ich habe sogar eine BahnCard. Ich hatte bisher auch relativ selten wirkliche Verspätungen, eine Verspätung von 3 Minuten nach 4 1/2 Stunden Fahrt zähle ich nicht als solche. Aber manchmal…
Aber ich fange mal vorne an. Am Samstagmorgen wollte ich einen Regionalexpress in die Provinz nehmen. Der um 9:30 ab Zoo sollte es sein. Vorher aber erstmal Karten kaufen. Also früher zum Zoo und da anstehen. Alles kein Thema. Dann kam das erste Bahnproblem. Die Bahn wurde überrascht. Ich meine, wie kann man auch erwarten, dass an einem Bahnhof wie Berlin Zoo Leute sind, die kein Deutsch sprechen? Also nein, damit hätte die Bahn wirklich nicht rechnen können. Also konnten die Schalterbeamten allesamt ausschließlich Deutsch. Eher schlecht für die Verständigung mit dem älteren spanischen (vermutlich, klang für mich jedenfalls nach Spanisch, wenn sie sich unterhielten) Ehepaar, das ein Ticket für ganz Deutschland hatte, aber nach Prag wollte. Das Ehepaar hat mehr verstanden als die Schalterfrau. Selbige war dabei, den Leuten in übelst gebrochenem Englisch zu erklären, dass sie mit ihrem Ticket nicht nach Prag fahren könnten während die Spanier das schon lange verstanden hatten und versuchten zu erklären, dass sie das wüssten und ein Ticket von der Grenze nach Prag kaufen wollten. Ich habe dann soweit übersetzt, dass die Spanier einen Ausdruck mit ihren Zügen in der Hand hatten, dann wollten sie sich das erstmal überlegen. Sie haben sich bedankt, dass ich ihnen geholfen habe und ich bin Richtung Gleis entschwunden (Tickets wurden nebenbei von meiner Freundin gekauft).
Dort angekommen entnahmen wir der Anzeige, dass der RE um 8:30 bald einfahren würde. Es war kurz vor 9. Da haben wir uns noch gefreut, dass wir früher ankommen würden und haben gleich die Eltern meiner Freundin angerufen und denen Bescheid gesagt. Zu früh gefreut. In Oranienburg standen wir dann eine halbe Stunde wegen eines “Fahrleitungsschaden”, wie uns drei Mal in nichtmal 1 Minute durchgesagt wurde. Nein, kein Witz. Zwei Mal war’s der gleiche Sprecher, beim dritten Mal wer anders. Also kamen wir doch ziemlich genau pünktlich an. Wären wir am Anfang des Zuges eingestiegen hätten wir ne Stunde Verspätung eingesammelt. Die letzte Durchsage im Zug, die wir mitbekamen, passte wie die Faust aufs Auge: “Sie haben Anschluß an [...] einen Regionalexpress nach XY-Dort. Dieser wird mit 15 Minuten Verspätung abfahren.”
Die Rückfahrt war auch nicht wesentlich besser. Wir kamen zwar mehr oder weniger pünktlich an, aber dafür stark gestresst. Aber auch hier wieder von Anfang an. Am Bahnhof wurde erstmal angesagt, dass der Zug verspätet losfahren würde. Er warte noch auf einen Anschlußzug. Der einzige Zug, den ich dann ankommen sah, kurz bevor wir losfuhren, rollte noch, als wir losfahren. Aber man soll den Umsteigern ja Spaß bereiten, wenn sie ihren Anschlußzug noch losrollen sehen ist das viel spaßiger als wenn der einfach weg ist.
Im Zug sicherten wir uns schnell einen Viererplatz und freuten uns auf eine gemütliche Fahrt. Bis das Kind im Vierer schräg vor uns zu randalieren begann. Da kann die Bahn natürlich nichts für, dafür aber die daneben sitzende Mutter, die auf der ganzen Fahrt quasi nichts mit dem Kind tat. Nicht sprach, nicht spielte – wäre ja alles zu viel verlangt.
Und weil das nicht reichte, war der RE auch noch kaputt. Er fuhr im Gegensatz zur Hinfahrt immerhin durch – aber dafür piepste er. Quasi Regelmäßig. Etwa alle 1-2 Minuten für 10 Sekunden. Ja, das macht Spaß. So war es dann eine der stressigsten Bahnfahren, an die ich mich erinnern kann. Natürlich liess sich auch auf dieser Fahrt wieder kein Schaffner blicken – schade. Aber er wird schon wissen, warum er sich von den Fahrgästen versteckt bei solch einer Zumutung als Zug.
Sicherlich war das meiste nicht die Schuld der Bahn. Fahrleitungen könnten kaputtgehen, für die Fahrgäste können sie eh nichts und auch ein Zug kann Schäden haben. Aber in der Häufigkeit, wie ich das am Wochenende erleben musste deutet das auf sehr fahrlässige Wartung hin. Ich erwarte von einem piepsenden Zug, dass er ausser Betrieb genommen wird, bis er wieder in Ordnung ist. Ich erwarte, dass Fahrleitungen gewartet werden – und zwar präventiv, nicht erst, wenn sie schon kaputt sind.
Dass das leider keine Einzelfälle sind bestätigen mir auch immer mal wieder andere Bahnkunden. Und letztens auch eine Zeitung, in der ein interner Bericht der Bahn zitiert wurde, der von einem katastrophalen Zustand des Netzes berichtete. Leider weiß ich nicht mehr, wo ich den gelesen habe, sonst würde ich ihn hier ja mal verlinken.
Die Folge für mich? Leider kaum welche. Alternativen gibt es keine akzeptablen (Nein, InterConnex ist keine), zumindest nicht im Regionalbereich. Ein Auto ist zu teuer. Also muss ich die Bahn wohl doch weiter bezahlen… Aber böse E-Mails kann ich schreiben – und das werde ich auch tun. Mal gucken, was die Bahn dazu sagt.