Am Wochenende habe ich mich auf dem Fest der Nationen rumgetrieben. Dabei habe ich das erste mal den Wahlkrampf 2005 live, also nicht nur im TV, erlebt. Es war der blanke Horror. Ich kann jedem nur raten, sich das nicht anzugucken, wenn er/sie nicht auf S/M (dabei eher auf den masochistischen Part) oder auf Stammtische steht. Der letzte Part ist nur relevant, wenn die CDU an der Veranstaltung teilnimmt.
Auf dem Fest der Nationen war auch eine Podiumsdiskussion mit den Direktkandidaten von SPD, CDU, Grüne, FDP und Linkspartei für den Wahlkreis geplant. Diese habe ich mir angeguckt.
Inhaltlich war es schlicht uninteressant. Es ging kein bisschen in die Tiefe, jeden der Sätze hatte man schonmal gehört, keiner hat wirklich irgendwas erklärt. Höhepunkt der Inhaltsleere war ein “Wortgefecht” (eigentlich möchte ich es nicht so nennen, da es nur aus drei Äußerungen besteht) zwischen der SPD-lerin Frau Merkel (Nein, nicht Angela) und dem FDP-ler. FDP-ler: “Das Problem ist doch, dass wir eine Zwei-Klassen-Medizin haben! Während sich ein Privatversicherter das Chefarzt-Zimmer leisten kann, muss der AOKler mit zwei Leuten auf einem Zimmer liegen! Wir möchten gleiche Versorgung für alle!” Merkel: “Das ist doch Quatsch. Genau diese Zwei-Klassen-Medizin möchten sie doch! Sie möchten für alle eine geringe Grundversorgung und wer mehr will, muss mehr zahlen. Wer das nicht kann bleibt auf der Strecke!” FDP-ler: “Das stimmt doch gar nicht, ich empfehle Ihnen mal unser Programm zu lesen. Mit der solidarischen Gesundheitsprämie bekommt jeder eine medizinische Versorgung und kann, wenn er möchte, noch Zusatzversicherungen abschließen!” Ihr habt den Unterschied zwischen dem, was Frau Merkel dem FDP-ler vorgeworfen hat und der FDP-ler als Quatsch abgetan hat und dem, was er dann als die Wahrheit anpreist nicht gefunden? Gut. Geht mir ähnlich.
Die Grüne hat eigentlich nur ihr Programm runtergerattert und ganz wenig Interessantes von sich gegeben.
Die Linksparteilerin war auch nicht grade fähig. Sie hat das Gespräch erst auf die Gesundheitsvorsorgepolitik gebracht indem sie den Standpunkt der Linkspartei dazu wiedergegeben hat. Kurz nach dem “Gefecht” von oben sagte der Moderator dann, dass er den Standpunkt der Linkspartei zu diesem Thema noch nicht ganz verstanden habe. Ideale Vorlage, um den Standpunkt zu wiederholen. Darüber sollte sich meiner Meinung nach jeder Politiker freuen. Und was macht die Linksparteilerin: “Den habe ich doch grade schon erklärt.” Ende. Aus. Ok, sie hat noch einen Satz mehr gesagt, aber anstatt die Position nochmal im Kontrast zu den anderen Parteien wiederzugeben und die Vorzüge, die die Linkspartei da sieht anzupreisen, kommt so ein dumm-dreister Satz. Die Frau möchte offensichtlich nicht, dass jemand da der Linkspartei seine Stimme gibt. Sie war auch die ganze Zeit sehr ruhig, hat nicht wirklich mitdiskutiert.
Bleibt noch der CDU-ler. Der kam nicht alleine, sondern mit einigen Wahlkämpfern, die nach JU aussahen, plus einem Klischee-CDU-Opa im braunen Jackett. Die JU-ler haben mein Urteil über die JU (Treff von schleimigen Menschen ohne Ahnung, den JuLis nicht unähnlich) nicht wirklich verbessert. Sie haben auch die ganze Zeit rumgepöbelt. Als die SPD-lerin sagte, dass die CDU der rot-grünen Regierung ja schon 4 Mio. Arbeitslose überlassen habe, kam von der CDU-Ecke ein gepöbeltes “Jaja, die CDU ist alles schuld!”. Ähnlich dumme Sprüche kamen dauernd. Lustig fand ich vor allem, dass diese Menschen nichtmal davon genervt wurden, dass sie offensichtlich die einzigen CDU-ler im Publikum waren. Sie waren jedenfalls die einzigen, die klatschten, wenn der CDU-ler etwas sagte. Bis auf ein einziges Mal, da bekam der CDU-ler die Lacher von fast allen auf dem Platz ab. Dumm nur, dass sie nicht mit, sondern über ihn lachten: “Das heißt jetzt übrigens nicht mehr ‘Kopfpauschale’ sondern ‘solidarische Gesundheitsprämie’” ist aber auch einfach ein zu dummer Satz um nicht zu lachen.
Dem CDU-ler merkt man auch deutlich an, dass er über die letzten Umfragen ziemlich verzweifelt sein muss. Wie auch seine großen Bosse versucht er jetzt nicht mehr nur mit seinem Programm zu punkten sondern will eine rot-rot-grüne Regierung als Horrorvorstellung verbreiten, wenn nicht alle CDU oder mindestens FDP wählen. Das solcherlei Pläne bei allen drei angeblich beteiligten Parteien abgelehnt werden und das auch angesichts des Personals der Linkspartei (Lafontaine nochmal in einer SPD-Regierung? Ich kann mir das nicht vorstellen) eher unwahrscheinlich ist, wird dabei gekonnt ignoriert.
Bemerkenswert fand ich als letzten Punkt noch die Wahlkämpfer, die mitgebracht worden waren. Die Grünen, die SPD und die FDP verzichteten völlig auf solche, die Linkspartei und die CDU nicht. Die CDU-ler habe ich oben ja schon beschrieben. Die Linksparteiler habe ich gesehen und sofort war klar, dass sie entweder von der Linkspartei oder den Grünen sein mussten. Eigentlich ist es ja traurig, dass man viele Menschen schon beim Sehen in eine Partei einordnen kann und dann immer wieder damit richtig liegt. Hoffentlich ändert sich das irgendwann mal.
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