Die schiefe Interpretation der PISA-Studie

Schon seit langem gilt die PISA-Studie als eher peinlich für Deutschland. Heute gibt sie wiedermal Anlass zu Diskussionen. Eines der Ergebnisse der neuesten Studie lautet nämlich: Die Soziale Herkunft entscheidet maßgeblich über den Schulerfolg eines Kindes. Ach ne. Besonders interessant finde ich eine bei der Netzeitung gefundene Reaktion des Deutschen Lehrerverbandes:

Die Debatte um eine soziale Ungleichheit des deutschen Bildungssystem gehe «völlig in die Irre», sagte Verbandsvorsitzender Josef Kraus. «Nicht die soziale Herkunft entscheidet über den Schulerfolg, sondern die Bildungswilligkeit.» Unabhängig vom sozialen Hintergrund könne in Deutschland jeder Abitur machen, «man muss es eben nur wollen».

Dabei frage ich mich: Warum ist das ein Widerspruch? Ich denke, dass das Problem nicht ist, dass “Arbeiterkinder” zu dumm für’s Abi sind. Vielfach dürfte auch einfach die Motivation fehlen, Abi zu machen. Redet man mit Realschulabsolventen, so kommt vielfach heraus, dass es einfach nie zur Debatte stand, Abi zu machen. Es ist ja oft nicht so, dass die Leute das Abi versuchen würden und daran scheitern würden - nein, sie versuchen es gar nicht erst. Genau die andere Richtung kenne ich ja von mir selbst: Es stand eigentlich nie zur Debatte, ob ich zum Gymnasium gehen würde oder nicht.

Vor diesem Hintergrund verstehe ich dann obige Aussage nicht mehr als Widerspruch. Jedenfalls nicht bei allen. Sicherlich fehlt auch eine gezielte Förderung der Schüler. Aber es fehlt auch bei vielen einfach der “Ehrgeiz”, überhaupt auf ein Gymnasium zu gehen. Das Problem der Förderung ist eins der Schulen bzw. des Schulsystems. Das Problem des “überhaupt aufs Gymnasium wollens” ist keins. Dieses Problem lässt sich nur durch ein Umdenken bei den Leuten lösen. Da hilft vielleicht auch eine bessere Förderung. Wenn bei den Eltern eine begründete Einstellung vorherrscht, dass ihre Kinder das Gymnasium schaffen oder zumindest faire Chancen haben, werden sie ihre Kinder auch eher aufs Gymnasium schicken.

Leave a Reply